19. SONNTAG im Jahreskreis
Evangelium nach Matthäus (14,22-33)
Wozu diese merkwürdige Erzählung? Was will der Evangelist Matthäus seinen Christen, die zwischen 80 und 90, also 50-60 Jahre nach dem Tod von Jesus lebten, sagen? Was ist die Botschaft dahinter? Matthäus hat diese Erzählung so anschaulich dargelegt, um den Gemeinden Mut zu machen. Sie mussten Verfolgung und Tod erleiden. Sie mussten im Glauben gestärkt werden. Auch sie hatten Jesus nicht mehr persönlich gekannt, so wie wir. Die Erzählung vom Seesturm ist eine bildhafte Zusammenfassung unseres Lebens als Christen.
Es gibt in unserem Leben ein Auf und Ab, Sonnenschein, Ruhe und Entspannung, aber auch Stürme bis hin zu Katastrophen: Misserfolge, Verlust des Einkommens, des Arbeitsplatzes, Verlust eines uns nahen Menschen, das Zerbrechen von Beziehungen, Unfälle, unheilbare Krankheit... Es gibt so viele Dinge und Ereignisse, existentielle Bedrohungen, die unser Leben durcheinanderbringen, bedrohen, die Angst machen, unser Leben wie in einem Sturm durcheinanderwirbeln.
Das ist in unserem persönlichen Leben so, aber auch z.B. im Leben unserer Kirche, unserer Pfarrgemeinde. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es in Zukunft für jede Pfarre einen Priester geben wird, dass es dann an jedem Sonntag noch eine Eucharistiefeier geben wird. Pfarren werden zusammengelegt um in Zukunft überleben zu können. All das bringt viel Unruhe und Unsicherheit. Wie wird das gehen? Werden wir als Pfarrgemeinde untergehen?
Mit seiner Erzählung vom Seesturm will Matthäus uns sagen: Jesus ist da, wir gehen nicht unter! Er will uns Mut machen. Dabei ist das Verhalten von Petrus so packend. Petrus glaubt an Jesus, hat ein großes Vertrauen zu ihm: „Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!“ Und als Jesus ihn einlädt: „Komm!“, dann hat Petrus tatsächlich den Mut, das sichere Boot zu verlassen und auf Jesus zuzugehen. Er geht ein großes Risiko ein. Aber so groß ist sein Vertrauen dann doch wieder nicht: Er schaut nicht mehr auf Jesus, sondern hat nur noch Auge für den Sturm, für die drohende Gefahr. Er gerät in Panik: Ich gehe unter!
Unser Vertrauen zu Jesus, zu Gott, kann uns im Leben über Wasser halten! Es, mobilisiert in uns Kräfte und lässt uns neu nach Ideen und Lösungen suchen, die wir mal in kleinen, mal in größeren Schritten mutig wagen. Aber die Schwierigkeiten im Leben machen uns oft wankelmütig. Unser Vertrauen zu Gott, zu Jesus, ist oft nicht groß genug. Wir sind „kleingläubig“. Wir verlieren Gott, Jesus, aus dem Auge, rechnen nicht mit ihm. Wir haben das Gefühl, dass wir untergehen, zu Grunde gehen.
Kommt es in so einer Situation nicht darauf an, wie Petrus zu rufen: „Herr, rette mich, rette uns“ ? Jesus ist da, Gott ist da, mitten im Sturm. Gott ist bei uns, er geht mit uns, er ist uns auch dann nahe, wenn es in unserem Leben stürmisch zugeht. Das ist die Botschaft dieser Erzählung: Es ist keine Katastrophe, wenn unsere Ängste, Zweifel, unser Kleinglaube, uns immer wieder einmal absinken lassen. Nehmen wir doch unsere menschlichen Schwächen, unser Versagen an als etwas, das zu uns gehört. Aber bitten wir in diesen Situationen wie Petrus: "Herr, rette mich!"
Jesus streckt seine Hand zu Petrus aus. Jesus ist die „ausgestreckte, helfende Hand“, die Gott in unsere Menschengeschichte schickt. Wir sollen sie immer ergreifen und uns nicht ablenken lassen durch die “ stürmischen Wellen des Lebens“. Wir dürfen nicht den Blickkontakt mit Jesus verlieren. Denn dann gehen wir unter. In der Betrachtung des sinkenden Petrus, den Jesus bei der Hand ergreift und nicht untergehen lässt, sollen wir uns für das Wagnis mit Jesus und mit Gott entscheiden, in unserem persönlichen Leben und als Glaubensgemeinschaft.